Charta für Gesundheitskompetenz
Gesundheit entsteht nicht erst in der Ordination. Sie entsteht dort, wo Menschen entscheiden: in Familien, in Betrieben, in der Nachbarschaft, in der Pflege von Angehörigen. Wer dort entscheiden soll, muss sich zurechtfinden. Genau daran scheitert es.
Warum diese Charta
In der Österreichischen Gesundheitskompetenz-Erhebung ist die Orientierung im Gesundheitssystem der schwächste aller gemessenen Bereiche.
der Befragten fällt es schwer herauszufinden, welche Rechte sie als Patientin oder Patient haben.
können nicht einschätzen, in welchem Umfang die Krankenkasse eine Leistung übernimmt.
kann bei Gesundheitsinformationen im Internet nicht beurteilen, ob wirtschaftliche Interessen dahinterstehen.
Diese Schwierigkeiten sind ungleich verteilt. Wer höchstens die Pflichtschule abgeschlossen hat, kommt mit digitalen Gesundheitsinformationen deutlich schlechter zurecht als wer Matura hat. Wer die eigene finanzielle Lage als schwierig einschätzt, liegt in jedem gemessenen Bereich unter dem Durchschnitt. Gesundheitskompetenz folgt damit denselben Linien wie Bildung und Einkommen. Sie verstärkt sie. Die Förderung der Gesundheitskompetenz gehört zum satzungsmäßigen Zweck des Vereins PRAEVENIRE. Diese Charta löst diesen Auftrag ein.
PRAEVENIRE arbeitet evidenzbasiert. Im PRAEVENIRE Expert Board bündelt der Verein das Wissen führender Expertinnen und Experten aus Medizin, Wissenschaft und Versorgung. Mit dieser Charta öffnet er diesen Tisch für jene, die Menschen erreichen: Persönlichkeiten aus Politik und Verwaltung, aus Sozialpartnerschaft und Interessenvertretung, aus Medien und Journalismus und aus den sozialen Netzwerken.
Wovon wir überzeugt sind
Die Unterzeichneten dieser Charta stehen für die folgenden Grundsätze.
Gesundheitskompetenz entscheidet über Lebenschancen.
Wer Befunde versteht, Risiken einordnet und weiß, wann welcher Weg der richtige ist, lebt nachweislich gesünder. Dieser Vorsprung darf nicht vom Bildungsabschluss, vom Einkommen oder von der Sprache abhängen. Heute tut er es.
Verständlichkeit ist eine Bringschuld.
Nicht die Menschen müssen sich an eine schwer zugängliche Sprache anpassen. Institutionen, Leistungserbringer und Unternehmen sind in der Pflicht, verständlich zu informieren. Wer etwas erklärt, schuldet die Erklärung, nicht das Publikum die Anstrengung.
Orientierungshilfe ist Teil der Versorgung.
Zu erfahren, wohin man sich wendet, welche Rechte man hat und wie weit die Solidargemeinschaft trägt, ist keine Zusatzleistung. Es ist die Voraussetzung dafür, dass Versorgung überhaupt ankommt.
Orientierung ist eine gemeinsame Aufgabe.
Das System schuldet die Erklärung. Damit sie ankommt, braucht es Menschen, die fragen, und ein politisches Klima, das Fragen fördert, statt sie zu ermüden. Beides ist herstellbar, und beides ist Aufgabe der Politik.
Gesundheitskompetenz gehört in die Schule.
Wer früh lernt, Gesundheitsinformation einzuordnen, braucht später weniger Orientierungshilfe. Gesundheitskompetenz gehört daher als Bildungsinhalt in den Unterricht, nicht in die Projektwoche.
Wir setzen dort an, wo Gesundheit organisiert wird.
In Familien, in Betrieben, in Schulen, in Pflege- und Sorgebeziehungen. Dort fallen die Entscheidungen, lange bevor jemand eine Ordination betritt.
Wir arbeiten sozialpartnerschaftlich.
Gesundheit darf nicht zum Verteilungskonflikt werden. Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretung haben dasselbe Interesse daran, dass Menschen Befunde verstehen und Vorsorge nutzen. Sie tragen diese Charta gemeinsam und bringen sie dorthin, wo Menschen den größten Teil ihres Tages verbringen: in die Betriebe. Was dort erklärt wird, erreicht auch jene, die von sich aus nicht suchen.
Wir arbeiten überparteilich.
Gesundheitskompetenz gehört keiner politischen Seite. Sie ist für die gesamte Bevölkerung wichtig, für alle Altersgruppen, alle Herkünfte und alle politischen Farben.
Betroffene sitzen mit am Tisch.
Patientinnen- und Patientenvertretungen und Selbsthilfe sind Teil dieser Arbeit, nicht ihr Gegenstand. Wir reden mit den Menschen, über die wir sprechen.
Wir dienen der Sache, nicht dem Produkt.
Der Dialog mit Unternehmen ist möglich und erwünscht. Diese Charta ist kein Vertriebskanal. Partnerschaften legen wir offen.
Wozu wir uns verpflichten
Jede und jeder von uns im eigenen Wirkungsbereich und nach Maßgabe der eigenen Möglichkeiten.
Die Unterzeichnenden
- Wir übersetzen gesichertes Wissen in unsere eigene Sprache und tragen es über unsere eigenen Kanäle weiter.
- Wir sprechen so, dass es auch ohne Vorwissen trägt.
- Wir nennen, worauf wir uns stützen.
- Wo Gesundheitsinformation in die Irre führt, widersprechen wir.
PRAEVENIRE
- Wir bereiten gesicherte Evidenz redaktionell zu Kernbotschaften auf und stellen sie den Unterzeichneten zur freien Verwendung bereit.
- Wir liefern zu jeder Kernbotschaft mit, worauf sie sich stützt: Weißbuch, Jahrbuch, Manifest oder ein dokumentiertes Ergebnis der PRAEVENIRE Formate.
- Wir legen offen, wer diese Arbeit unterstützt.
Was die Unterzeichnung bedeutet
- Die Mitwirkung ist ein Angebot. Es gibt keine Abnahmepflicht, keine Mindestaktivität und keine Streichung bei Inaktivität.
- Es entstehen keine finanziellen Verpflichtungen und keine Haftung.
- Das auf Grundlage dieser Charta konstituierte PRAEVENIRE Gesundheitskompetenz Board ist ein Gremium unter dem Dach des Vereins PRAEVENIRE, aber kein Organ des Vereins im Sinne der Vereinsstatuten. Es wird kein eigener Verein gegründet. Die Unterzeichnung begründet weder eine Vereinsmitgliedschaft noch eine Organfunktion noch eine Vertretungsbefugnis.
- Die Unterzeichnung erfolgt persönlich, unter Angabe der Funktion. Sie bindet die genannte Institution nicht.
- Für aktive Journalistinnen und Journalisten gilt ausdrücklich: Die Unterzeichnung begründet keine Berichterstattungspflicht und keine redaktionelle Bindung. Sie erfolgt ausschließlich als Person und lässt die publizistische Unabhängigkeit unberührt. Es fließt keine Zuwendung.
- Die Aufnahme in das Board erfolgt auf Einladung; die Entscheidung trifft der Vorstand des Vereins PRAEVENIRE. Es gibt keine Bewerbung und keine Selbsteintragung. Die Unterzeichneten können Persönlichkeiten für die Aufnahme vorschlagen.
- Ein Austritt ist formlos und jederzeit möglich.
Jetzt die Charta unterzeichnen
Mit Ihrer Unterschrift bekennen Sie sich zu den zehn Grundsätzen für mehr Gesundheitskompetenz in Österreich. Die Unterzeichnung erfolgt persönlich, unter Angabe der Funktion. Sie bindet die genannte Institution nicht. Die Aufnahme in das PRAEVENIRE Gesundheitskompetenz Board erfolgt davon unabhängig auf Einladung.
Der Gründungsakt
Am 9. Oktober 2026 wurde die Charta bei den 11. PRAEVENIRE Gesundheitstagen im Schloss Esterházy in Eisenstadt vorgestellt und als Gründungsakt des PRAEVENIRE Gesundheitskompetenz Board unterzeichnet.


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Mit dieser Charta öffnet PRAEVENIRE den Tisch für jene, die Menschen erreichen. Teilen Sie sie mit Ihrem Netzwerk.